Die Grenzen der Achtsamkeit

Achtsamkeit wird uns mitunter als Allheilmittel verkauft. Es wird uns gesagt, dass der Fokus auf unseren Körper, unser Fühlen und Denken allein alles Unangenehme, Enge, Problematische lösen könne.

Achtsamkeit als Wundermittel?

Stell dir vor, du hättest großen Hunger. Du könntest sehr achtsam für das Gefühl des Hungers sein. Könntest spüren, wie es sich körperlich ausdrückt, welche Gedanken, Geisteszustände und Gefühle damit einher gehen. Und danach? Danach wärst du immer noch hungrig. Und du würdest vermutlich das tun, was hilft deinen Hunger zu stillen – essen.

Achtsamkeit hat nicht die Aufgabe uns satt zu machen. Achtsamkeit hat auch nicht die Aufgabe problematische Zustände zu lösen. Vielmehr ist es Aufgabe der Achtsamkeit uns auf das hinzuweisen, was in und um uns herum vorgeht. Ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was sich genau geschieht und die Bereitschaft und Fähigkeit genau hinzusehen.

Nein, Achtsamkeit bewirkt keine Wunder. Achtsamkeit kann weder Schmerzen wegzaubern noch unangenehme Gefühle auflösen. Was Achtsamkeit kann, ist uns auf etwas aufmerksam machen, Prozesse, Gefühle, Gedanken und somatische Empfindungen aufdecken, deren wir uns nicht bewusst waren.

Ja, und manchmal hilft es uns bereits mit etwas in einem gelassenen, aufmerksamen Kontakt zu sein, um zur Ruhe zu kommen und die Anspannungen, die Aversion, die wir etwas gewohnheitsmäßig entgegenbringen, loszulassen. Aber nicht immer ist das der Fall.

Achtsamkeit braucht daher einen Begleiter, der sie dabei unterstütz unser Leben leichter, einfacher und freier zu gestalten. Wer könnte ein solcher Begleiter sein?

Ein ganz wichtiger Begleiter ist Weisheit.

Weisheit befähigt uns angemessen auf eine Herausforderung zu antworten. Sie lässt sich weder vom Haben-Wollen noch vom Vermeiden-Wollen beeindrucken. Sie ist vielmehr auf der Suche nach einer Einstellung und Haltung, die uns und anderen langfristig Wohlbefinden bereitet. Sie kommt nicht aus dem Impuls, lässt sich nicht auf Reaktivität ein, sondern behält die Klarheit und Gelassenheit, die es ihr Erlauben Abstand und Verständnis für eine Situation zu gewinnen.

Es ist Weisheit, die uns mitteilt, das die Antwort auf Hunger, essen ist. Es ist aber auch Weisheit, die uns sagt nicht mehr zu essen als wir brauchen. Und abermals Weisheit, die uns wissen lässt, welche Nahrung unseren Körper stärkt und nährt und was ihm schadet.

Weisheit gewinnen wir aus Erfahrung und eingehender Reflektion. Der Buddha riet seinem Sohn Rahula daher Handlungen, Worte und sogar Gedanken daraufhin zu überprüfen, ob sie uns selbst oder anderen Leid zu fügen. Und das sowohl vor einer Handlung, als auch während einer Handlung und nach dem wir die Handlung ausgeführt haben. Immer wieder besinnen wir uns auf die Auswirkungen, die unser Tun auf uns selbst und andere haben. Nur dadurch sammeln wir den nötigen Erfahrungsschatz, um angemessen reagieren zu können.

Achtsamkeit begleitet diesen Prozess. Begleitet uns durch das was uns gelingt und das was problematisch ist. Wir kommen daher nicht darum herum, uns auch auf unsere Fehler und Irrtümer einzulassen. Auch, oder gerade hier schauen wir genau hin und verstehen, denn nur das erlaubt es uns dazu zu lernen und das nächste Mal ein Gespür dafür zu besitzen, welchen Weg wir nicht mehr einschlagen möchten.

Weisheit und Achtsamkeit führen uns Hand in Hand zu mehr Ruhe, mehr Klarheit und letztendlich zu einem befreiteren Umgang mit allen Erfahrungen mit denen das Leben uns konfrontiert.

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