Übungssache: Den Körper als Körper wahrnehmen

Ein möglicher Anker für die Achtsamkeit ist der Körper. In der bekannten Satipatthana Sutta, nennt der Buddha gleich mehrere Übungen, anhand derer wir uns mit Achtsamkeit dem Körper zuwenden können:

  • Den Atem beobachten,
  • sich der Haltung gewahr werden,
  • die Achtsamkeit auf das ganze Körperfeld aufspannen,
  • einzelne Körperteile betrachten,
  • den Körper als Zusammenspiel der Elemente wahrnehmen
  • sich der Vergänglichkeit des Körpers bewusst werden.

Was alle diese Übungen gemeinsam haben ist, dass immer die Anleitung gegeben wird „Körper als Körper“ wahrzunehmen. Was ist damit gemeint?

Wenn wir uns einem Körperteil zuwenden, dann wird der Geist gewohnheitsmäßig erst einmal Wissen über diesen Körperteil abrufen. Das kann eine bildliche Vorstellung des Körperteils sein, das kann Wissen über diese Stelle sein, ihre Funktionen, ihre bisherigen Verletzungen, unsere Einstellung zu ihr, das kann auch eine Emotion sein, die wir mit dieser Region verbinden.

Wenn wir uns in Achtsamkeit üben, versuchen wir diese angebotenen Informationen für den Moment bei Seite zu legen. Stattdessen geht es darum den „Körper als Körper“ wahrzunehmen und damit die gegenwärtigen, somatischen, unmittelbaren Empfindungen des Körpers.

Das ist zu Beginn mitunter eine richtige Herausforderung! Es gibt genug Körperstellen, die am Anfang nur sehr schwach wahrnehmbar sind, oder sich sogar taub anfühlen können. Sich in den Körper einzufühlen ist eine Übung. Körperwahrnehmung wird sich über die Zeit und mit Geduld vertiefen. Und selbst nach Jahren der Praxis lassen sich wieder und wieder Schichten an Konzepten entdecken, die noch immer zwischen einer unmittelbaren Empfindung liegen.

Wer also auf die Frage: „Was fühlst du gerade im Bauchraum?“, einer typischen Frage in einer geleiteten Meditation, nur die Antwort: „Nichts“ parat hat, der ist nicht etwa ungeeignet für die Meditation! Im Gegenteil: wenn im gegenwärtigen Augenblick nichts wahrzunehmen ist, so ist dies vollkommen legitim und stellt nicht die Qualität der eigenen Achtsamkeit in Frage. Kann ich aber mit Geduld und Neugier meine Aufmerksamkeit dort halten, im „nicht Spüren“, und beobachten, was sich daraus ergibt? Kann ich meinem Körper lauschen, als wäre dort eine Melodie zu vernehmen, die nur sehr, sehr leise erklingt?

Mit der Zeit wird unsere Körperwahrnehmung immer feinfühliger. Es können dann bestimmte Körperregionen zum Leben erwachen, in denen wir zuvor nichts empfunden haben. Der Körper kann zunehmend als vielfältiger, vielschichtiger und lebendiger Organismus wahrgenommen werden, in dem sich unzählige Prozesse abspielen. Der Buddha hat mehr als eine Übung zur achtsamen Erkundung des Körpers genannt, um die Praxis in unterschiedlichsten Situationen und Lebenslagen zu ermöglichen.

Ausprobieren, Testen, Erkunden sind essenzielle Bestandteile unserer Übungspraxis. Neugier und Erstaunen darüber, was sich in der Körperwahrnehmung entdecken lässt, wird sich nach einiger Zeit einstellen!

Am Ende, vermag uns die Achtsamkeit für den Körper durch die ganze Praxis tragen:

“Bhikkhus, there is one thing that, when developed and cultivated, leads exclusively to disenchantment, to dispassion, to cessation, to peace, to direct knowledge, to enlightenment, to nibbāna. What is that one thing?

Mindfulness directed to the body …

This is that one thing that, when developed and cultivated, leads exclusively to disenchantment … to nibbāna.”

AN I 304

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