Freiheit – und wo sie zu finden ist

Am Freitag beginnt mein neuer Kurs zu Achtsamkeit und Meditation in der Justizvollzugsanstalt. Wenn man vor den hohen Mauern steht, die oben mit wuchtigen Rollen aus Maschendraht gekrönt sind, dann kann die Vorahnung von räumlicher Unfreiheit einem das Herz zusammenziehen. Als unbedarfte Personen in einen solchen beschränkten und reglementierten Raum zu kommen ist eine besondere Erfahrung. Funktionale Räume, strenge Vorschriften und Regeln und eine deutliche Einschränkung der Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit.

Was mir in meiner Vorbereitung immer wieder kam, ist dieser dringliche Wunsch nach Freiheit, der unweigerlich aufkommen muss, wenn man seine Zeit dort fristet. Wenn man nichts sieht von der Umwelt, dauerhaft durch Mauern, Regeln und Entscheidungen anderer eingegrenzt ist. Freiheit, als etwas, dass im Außen liegt, unerreichbar.

Aber sind wir, die wir das Glück haben den Großteil unserer Entscheidungen selbst treffen zu können, tatsächlich in diesem Sinne frei?

Was ist das eigentlich, eine freie Entscheidung?

Für mich ist das eine Entscheidung, die nicht von Impulsen, Gewohnheiten, starken Emotionen oder Ansichten getrieben ist, sondern im Einklang mit dem steht, was mir wichtig ist. Basierend auf Werten und Wünschen für mich und andere, die sich auch im Rückblick integer anfühlen.

Damit ist das Thema Freiheit nicht nur auf unser Verhältnis zur Außenwelt beschränkt. So mancher von uns mag vogelfrei sein, ungebunden, frei zu tun und lassen, was er möchte. Aber wenn er innerlich rastlos, angetrieben von Ängsten und Sorgen, von Unruhe, Neid oder Wut ist, dann würden wir ihn nicht als freien Menschen bezeichnen. Freiheit zeichnet sich also auch im inneren Verhältnis ab.

Die Freiheit einen Raum zu schaffen, zwischen dem was von Außen an Eindrücken auf uns hereinprasselt – und dem was wir daraus machen.

Die Freiheit eine Distanz zwischen unseren Gefühlen und unserer Reaktion auf diese – keine Automatismen, keine roten Knöpfe zu haben, die gedrückt werden können.

Die Freiheit unsere Gedanken als etwas wahrzunehmen, was nur bedingte Substanz hat und uns nur von dem leiten zu lassen, was uns hilfreich, mitfühlend und erhaltenswert erscheint.

Die meisten von uns haben das große Glück ihre Entscheidungen selbst treffen zu können. Nehmen wir die Herausforderung dieser Freiheit ernst und wahr? Schläft auch in uns der stille Wunsch nach etwas mehr Freiheit und wird diese vielleicht gar nicht so sehr durch die äußeren Umständen eingeschränkt, wie wir gerne vermuten? Ist sie vielmehr in der Art und Weise verborgen mit der wir dem begegnen, was das Leben uns anbietet?

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