#3 Im Dschungel der Gedanken

Wenn das Denken überhand nimmt und mit großer Dinglichkeit behauptet notwendig und unabdingbar zu sein, dann bringt Widerstand nur wenig. Um den regelrecht überhitzten Geist zur Ruhe zu bringen ist es wichtig Herz und Geist zu vermitteln, dass im gegenwärtigen Augenblick Sicherheit und Zuflucht zu finden liegt. Es ist diese Sicherheit, die das System durch das ständige Denken zu erreichen versucht: Es will sicher stellen, dass wir uns in der Zukunft wohlfühlen, gemocht werden, anerkannt werden, alles haben was wir brauchen.

Daher stellt die Rückkehr in den Körper mit seinen unmittelbaren Wahrnehmung und der Rückzug auf den Atem eine wirklich Zuflucht dar. Wie praktizieren wir das?

In einem ersten Schritt sei gesagt, dass der Geist seinen Anspruch die Probleme lösen, die Zukunft ausmalen zu wollen, nicht in dem Moment aufgeben wird, in dem wir mit dem Üben beginnen. Es ist daher hilfreich die Übung mit einer Einsicht zu beginnen in das, was wir im Augenblick herbeisehnen:

Wenn wir uns Gedanken über unsere existenzielle Zukunft machen, so wünschen wir uns Sicherheit. Malen wir uns wieder und wieder aus einen bestimmten Moment zu erleben oder eine bestimmte Person zu treffen, dann sehnen wir uns vermutlich nach Verbindung und Kontakt. Vielleicht ist es auch der Wunsch die Verantwortung abzugeben, oder Ruhe und Frieden im Herzen zu finden. Diese Herzenswünsche zu erkennen nimmt uns die Reaktivität gegenüber unseren Gedanken – wir erkennen sie als lediglich wenig hilfreiche Versuche unsere Bedürfnisse zu erreichen und können uns mit mehr Wohlwollen begegnen.

Kann ich also in einem ersten Schritt das Bedürfnis unter den vielen Gedanken erkennen und soweit zur Ruhe kommen, dass ich mir mit Wohlwollen gegenübertreten kann? Eine Hinwendung zu uns selbst, die informiert ist von Freundlichkeit und Akzeptanz? Sicherheit – Verbindung – Kontakt – Inspiration, all das sind zutiefst menschliche Bedürfnisse, die ihre Berechtigung haben. Dafür Verständnis zu entwickeln und zu sehen, dass das Leben eine Herausforderung ist, weil diese Bedürfnisse nicht immer erfüllt werden, das sollte Mitgefühl und Freundschaft in uns wecken. Mit uns selbst wie mit anderen.

Diese grundsätzliche Einstellung sollte in unserer Praxis niemals fehlen. Wenn es uns gelingt unsere Übung aus Mitgefühl und Freundschaft zu nähren, wird sie Früchte tragen können. Wir erleben sie als bereichernd und erleichternd – sie befreit uns vom konstanten Anarbeiten gegen das, was wir als unangenehm empfinden.

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