In Balance

Wenn wir Stress oder Druck empfinden, wenn das Leben nicht „rund“ läuft, wir das Gefühl haben, dass uns etwas an Harmonie und Stabilität verloren gegangen ist, dann wünschen wir uns ein Gleichgewicht, eine Balance herbei.

Was ist diese Balance?

Oftmals sehen wir sie als ein Ziel oder einen idealen Zustand, den wir herbeisehnen. Wir verbinden mit ihm eine Leichtigkeit und Zufriedenheit, die sich im jetzigen Moment nicht einstellen will. Dieses Bild eines „Tun müssens“, eines „idealen Zustands“ kann mit Anstrengung, Druck und womöglich dem Vorwurf verbunden sein, es nicht hinzubekommen.

Hilfreich kann es daher sein erst einmal zu beobachten, was passiert, wenn wir aus dem Gleichgewicht, aus dem Tritt kommen.

Die Ereignisse, die unser Leben formen, pendeln zwischen zwei Extremen: angenehme und unangenehme Situationen, Zustände und Gefühle. Unser Einfluss darauf womit wir konfrontiert werden ist schwindend gering. Wir können uns in einem Moment noch über die Gehaltserhöhung, die Glückwünsche, den Sonnenschein freuen und im nächsten Augenblick erhalten wir eine traurige Nachricht, geraten in einen Konflikt oder ein beängstigender Gedanke nimmt Raum ein. Das Pendel schlägt um. Eine provokante These: Gleichgewicht heißt nicht einen Zustand des ewig Angenehmen herzustellen, sondern einen gelösten Umgang mit dieser Pendelbewegung zu finden.

Wünschenswert wäre, dass das Pendel an der höchsten Stelle innehält, sprich, wir in einem möglichst angenehmen Zustand verweilen könnten. Weil wir aber aus Erfahrung wissen, dass es dieses Verharren nicht gibt, regt sich in uns selbst im schönsten Moment die Sorge um das Vergehen. Wir wollen schützen oder festhalten – so lange es geht ausdehnen. Es kommt jedoch, wie es kommen muss: das Pendel dreht und wir erleben das Nachlassen des Angenehmen, hin zu etwas Neutralerem. Instinktiv reagieren wir mit Trauer, Wut, oder Aktionismus, um das Angenehme wieder herzustellen. Schlägt das Pendel gar in das andere Extrem um und wir werden mit etwas Unangenehmen konfrontiert, so erleben wir eine innere Abwehr gegen diesen Zustand und jene, die wir dafür verantwortlich machen. Mit viel Energie versuchen wir das, was nicht sein soll loszuwerden.

Im Großen und kleinen Erleben wir die Umschwünge des Pendels mehrfach jeden Tag. Und während wir kaum Einfluss darauf haben, wie sich die Dinge ergeben, haben wir eines doch in der Hand: Unsere Reaktion auf die Gegebenheiten. In Balance sein bedeutet für mich uns keinen zusätzlichen Druck und kein unnötiges Leid zu schaffen, in dem wir uns nicht an der Realität abkämpfen. Balance ist die Möglichkeit mit den sich ändernden Umständen mitschwingen zu können, ohne innerlich Enge und Druck zu empfinden.

Balance ist kein fester Zustand, sondern eine Fähigkeit, in der wir immer und immer wieder lösen woran wir unnötigerweise festhalten. Ansichten wie das Leben jetzt gerade sein müsste, wie man selbst sein sollte, was man verdient und nicht verdient hätte.

Welche festen Ansichten über das Leben machen das Leben schwerer statt leichter? Was müsste ich akzeptieren, damit ich mit genau diesen Augenblick Frieden schließen könnte? Warum fällt mir das schwer?

27. Januar Workshop zum Thema „Achtsamkeit und Balance“

 

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