Wetterwechsel

„Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein;

Langen und bangen in schwebender Pein;

Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt;

Glücklich allein ist die Seele, die liebt.“

aus „Egmont“ (Goethe)

Sind wir dem ständigen Wandel unseres Gefühlslebens ungeschützt ausgesetzt, so kann es uns beuteln wie das stärkste Wetter. Unser Empfinden ist ständig im Wandel. Es hat nichts Beständiges an sich. Was wir „Gefühl“ nennen verändert sich kontinuierlich in Intensität und Qualität und unser Einfluss auf den momentanen Zustand ist oftmals nur gering. Wie oft nehmen wir das eine Wort, den einen Gedanken gar nicht erst wahr, der die innere Stimmung kippen lässt? Wo zuvor relative Zufriedenheit war, entsteht eine Wut, eine Traurigkeit oder eine Angst. Und ein einziger Moment an ehrlichem Mitgefühl und Anteilnahme kann uns vollkommen herausreißen aus jeglichen düsteren Gedanken.

So unbeständig diese Gefühle sind, so undefiniert sind sie. Am direktesten können wir sie im Körper wahrnehmen, als Enge in der Brust, im Hals, als Wärme oder Hitze, als Pochen, Klopfen, Kribbeln. Aber ein Gefühl umfasst mehr als nur die körperliche Wahrnehmung. Es kommen bestimmte Gedankenmuster hinzu, wie ein Kommentar, eine Bewertung des Erlebten, eine Einstellung zum Gefühl selbst. Ist das was wir spüren angenehm, oder unangenehm? Bewerten wir das Erlebte, Gespürte in irgendeiner Weise?

Zuletzt kann das Gefühlte auch mehr als sein als eine unmittelbare Reaktion auf das was in der Gegenwart erlebt wird. Mitunter tragen wir über längere Zeit hinweg einen bestimmten Geisteszustand mit uns herum, der alles was wir wahrnehmen mit seiner ganz eigenen Stimmung einfärbt. Erkennen wir ein Grundgefühl, das uns über längere Zeit hinweg begleitet? Welche Einstellung, welche Überzeugung schwingt darin mit?

Dadurch, dass Gefühle und Emotionen eine Ansammlung aus Gedanken, Stimmungen und körperlichen Wahrnehmungen sind, können sie mitunter überwältigend wirken. Es gilt mit ein wenig Übung die verschiedenen Schichten abzutragen und das tatsächliche körperliche Gefühl zu trennen von den Gedanken und Ansichten. Dies ist hilfreich, da in der körperlichen Wahrnehmung oft erkannt werden kann, dass ein Gefühl sich ständig wandelt und nichts Festes besitzt. Wir neigen dazu es mit Gedanken und Meinungen zu fixieren und schaffen uns und anderen damit viel Leid.

Ein erster Ärger, eine Wut mag im Körper sehr unangenehm sein. Ein Ansammeln von Energie im Brustraum, eine Enge im Hals. Wenn wir im Körper bleiben, so sehen wir, dass, wenn wir keine Gedanken oder Meinungen als Brennholz in dieses Feuer geben, sich das innere Wetter ändert. Vielleicht kommt als nächstes ein Gefühl der Traurigkeit oder Überforderung auf. Auch dieses Gefühl ist wieder eine Verknüpfung von körperlicher Wahrnehmung und Gedanken. Manchmal ergibt sich bereits eine große Ruhe darin zu erkennen, was hinter einem vordergründigen Gefühl verborgen liegt. Manchmal liegt Linderung darin all die Gefühle aufkommen und vorüberziehen zu lassen, ohne sie zu befeuern.

Ziel ist nicht ein vollkommenes Glück. Ziel ist es dem Wetter standzuhalten, egal was es bringen mag. Ziel ist es mit Souveränität zu handeln anstatt sich von den Winden des Lebens vorantreiben zu lassen.

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